{"id":3582,"date":"2017-09-21T19:35:49","date_gmt":"2017-09-21T17:35:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dagsiwi.de\/?p=3582"},"modified":"2017-10-03T13:07:02","modified_gmt":"2017-10-03T11:07:02","slug":"doppelvortrag-der-dag-siwi-in-der-siegerlandhalle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dagsiwi.de\/en\/2017\/09\/doppelvortrag-der-dag-siwi-in-der-siegerlandhalle\/","title":{"rendered":"Doppelvortrag der DAG SiWi in der Siegerlandhalle"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_3583\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.dagsiwi.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170916_191007.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3583\" class=\"wp-image-3583 size-medium\" src=\"http:\/\/www.dagsiwi.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170916_191007-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.dagsiwi.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170916_191007-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.dagsiwi.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170916_191007-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.dagsiwi.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170916_191007.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3583\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Benjamin Becker (Amerika Haus) Bild: DAG SiWi<\/p><\/div>\n<p>Zu einem besonderen Abend mit gleich zwei miteinander verzahnten Vortr\u00e4gen lud k\u00fcrzlich die Deutsch-Amerikanische Gesellschaft Siegerland-Wittgenstein e. V. (DAGSiWi) in den Eintrachtsaal der Siegerlandhalle. F\u00fcr den ersten Vortrag begr\u00fc\u00dfte der Vereinsvorsitzende Volker Sch\u00fcttenhelm den Leiter des Vereins Amerika-Haus NRW, Dr. Benjamin Becker (K\u00f6ln). Der junge Transatlantiker, der in K\u00f6ln und Atlanta studiert hat und zuvor in Berlin bei mehreren deutsch-amerikanischen Institutionen arbeitete, informierte dar\u00fcber, dass im Zuge der \u201eReeducation\u201c der Nachkriegszeit in der jungen Bundesrepublik (einschlie\u00dflich West-Berlin) 56 Amerika-H\u00e4user in Tr\u00e4gerschaft des US-Au\u00dfenministeriums gegr\u00fcndet wurden.<\/p>\n<p>Das Amerika-Haus in K\u00f6ln gibt es seit 1955. Die grundlegene \u00c4nderung der politschen Landschaft nach 1989 hatte die Schlie\u00dfung der Amerika-H\u00e4user in ihrer urspr\u00fcnglichen Ausrichtung und Organisation zur Folge. Die noch verbliebenen Amerika-H\u00e4user in Deutschland werden heute in Form von Public Private Partnerships betrieben. Die Tr\u00e4gerschaft liegt nicht mehr in der Hand der US-Regierung, sondern ist unabh\u00e4ngiger auf Grundlage des deutschen Vereinsrechts organisiert.<\/p>\n<p>In einem R\u00fcckblick nannte Dr. Becker Beispiele f\u00fcr die breit aufgestellten Aktivit\u00e4ten mit politschem, wirtschaftlichem und kulturellem US-Bezug: so wurde z.B. eine Lesung mit dem New Yorker Autor Colson Whitehead oder gef\u00fchrte Rundg\u00e4nge auf der Art Cologne, auf der stets zahlreiche Galerien aus New York und Los Angeles zeitgen\u00f6ssische Kunst ausstellen, unl\u00e4ngst angeboten. Die Zusammenarbeit mit der DAG-SiWi soll, so waren sich alle Beteiligten einig, in den kommenden Monaten mit gemeinsamen Veranstaltungen noch intensiviert werden.<\/p>\n<p>Der zweite Teil des Abends geh\u00f6rte sodann dem Politikwissenschaftler und Bundestagsmitarbeiter Jakob Schrot (Berlin). Er untersuchte in seinem Vortrag den Wandel der US-Au\u00dfenpolitik. Sp\u00e4testens seit dem Amtsantritt von Pr\u00e4sident Donald Trump seien R\u00fcckzugserscheinungen in den internationalen Beziehungen zu beobachten. Schrot wagte einen Blick zur\u00fcck in die Historie, um aktuelle Tendenzen zum Isolationismus zu erkl\u00e4ren. In der Zeit ihrer Gr\u00fcndung n\u00e4mlich waren die einstigen Kolonien mit aller Konsequenz entschlossen, die Konflikte Europas und ihre kleinparzelligen F\u00fcrstent\u00fcmer hinter sich zu lassen.<\/p>\n<div id=\"attachment_3584\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.dagsiwi.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170916_193418.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3584\" class=\"wp-image-3584 size-medium\" src=\"http:\/\/www.dagsiwi.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170916_193418-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.dagsiwi.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170916_193418-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.dagsiwi.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170916_193418-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.dagsiwi.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170916_193418.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3584\" class=\"wp-caption-text\">Jacob Schrot Bild: DAG SiWi<\/p><\/div>\n<p>Die bildhaften Worte aus der Bergpredigt Jesu von der weithin sichtbaren Stadt auf dem Berge wurden immer wieder von amerikanischen Politikern &#8211; angefangen beim Gouverneur (1657) der damaligen Kolonie Connecticut, John Winthrop, bis zu dem im Mai 2017 nach nur 109 Amtstagen entlassenen FBI-Direktor James Comey\u00a0 &#8211; als Metapher herangezogen, um sowohl Isolationismus als auch eine neue Definition der amerikanischen Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik zu legitimieren. Eingedenk dieses Selbstverst\u00e4ndnisses der amerikanischen Nation sei eine Mitgliedschaft in einer Organisation wie der UNO, wenn es sie denn schon gegeben h\u00e4tte, in den ersten 150 Jahren nach der Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung undenkbar gewesen. Dem 1919 auf Betreiben von US-Pr\u00e4sident Wilson gegr\u00fcndeten V\u00f6lkerbund versagte \u00fcbrigens der sich \u00fcbergangen f\u00fchlende Senat in Washington die Mitgliedschaft.<\/p>\n<p>Einen Wendepunkt bei der isolationistisch, stellenweise gar pazifistisch eingestellten amerikanischen Bev\u00f6lkerung stellte 1941 der unvermittelte japanische Angriff auf die US- Pazifikflotte in Pearl Harbor (Hawaii) dar, der den Kriegseintritt der USA markierte. Nach 1945 konnte es sich die gr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft der Welt dann nicht mehr leisten, den Eintritt in die internationale Politik r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen. Bei der Gr\u00fcndungskonferenz der Vereinten Nationen in San Francisco ratifizierten die USA demgem\u00e4\u00df auch die UN-Charta als erster Mitgliedsstaat.<\/p>\n<div id=\"attachment_3587\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.dagsiwi.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/schrotbeckerboard.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3587\" class=\"wp-image-3587 size-medium\" src=\"http:\/\/www.dagsiwi.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/schrotbeckerboard-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/www.dagsiwi.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/schrotbeckerboard-300x212.jpg 300w, https:\/\/www.dagsiwi.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/schrotbeckerboard-768x544.jpg 768w, https:\/\/www.dagsiwi.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/schrotbeckerboard.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3587\" class=\"wp-caption-text\">DAG-Vorstand Arriens, Menn, Jungheim, Jebramcik, Gastredner Schrot und Becker, DAG-Vorstand Sch\u00fcttenhelm, Otto Bild: DAG SiWi<\/p><\/div>\n<p>Nicht ganz unerwartet kam Schrot auch aufgrund einiger Beitr\u00e4ge seitens der Zuh\u00f6rer auf Nordkorea, welches seit 15 Jahren nahezu vollst\u00e4ndig mit Sanktionen belegt ist, zu sprechen. Dass Nordkorea mit China rund 90% seines Au\u00dfenhandels abwickelt, ist wohl weniger \u00fcberraschend als die Tatsache, dass in den EU-Staaten Polen und Rum\u00e4nien regelm\u00e4\u00dfig nordkoreanische Gastarbeiter besch\u00e4ftigt werden. Die brennendste Frage der Anwesenden war jedoch die nach der Wahrscheinlichkeit eines thermonuklearischen Krieges. Diese sei nicht nur rein theoretischer Natur, so Schrots Einsch\u00e4tzung, m\u00fcsse aber vor dem Hintergrund, dass vermutlich rund 5,8 Millionen Nordkoreaner (aktive Soldaten und Reservisten) unter Waffen st\u00fcnden und die Zweitschlagf\u00e4higkeit\u00a0 des Landes kaum verl\u00e4sslich eingesch\u00e4tzt werden k\u00f6nne, mit Fragezeichen versehen werden.<\/p>\n<p>Kurios am Rande mute die Tatsache an, dass Trump milit\u00e4rische Optionen in geradezu zynischem Ausma\u00df deutlich mehr in Erw\u00e4gung ziehe als sein milit\u00e4rischer Beraterstab. Diesem schenke er aber ungeachtet seiner kraftmeierischen Rhetorik mehr Geh\u00f6r als gemeinhin angenommen. Auch habe er mit seinen wirtschaftspolitischen Beratern Gary Cohn, einem liberalen ehemaligen Investmentbanker, und Peter Navarro, einem Wirtschaftswissenschaftler, der dazu neigt, in schrillen T\u00f6nen protektionistische Ma\u00dfnahmen zu fordern, zwei Gegenpole in seinem Team, die ihm Kompromissf\u00e4higkeit abverlangen d\u00fcrften.<\/p>\n<p>In Bezug auf Nordkorea komme die Angst der Vetom\u00e4chte (im Weltsicherheitsrat) Russland und China vor einer Destabilisierung Nordkoreas, die ungeahnte Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me in diese beiden L\u00e4nder zur Folge haben k\u00f6nnte, hinzu. Letzten Endes steht gegen die \u201ePower of the sword\u201c (Macht des Schwertes), \u00fcber die der Pr\u00e4sident kraft der ihm von der Verfassung gegebenen Befehlsgewalt verf\u00fcgt, die nicht unerhebliche \u201ePower of the purse\u201c (Kraft des Portemonnaies) des US-Kongresses, der in Budgetfragen letztlich das entscheidende Machtwort zu sprechen hat. Die Debatte des kommenden Jahrzehnts sieht Schrot aber in Blick auf Russland und der Gefahr einer eskalierenden Aufr\u00fcstungsspirale. Er versprach, wiederzukommen \u2013 Diskussionsbedarf best\u00fcnde noch reichlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu einem besonderen Abend mit gleich zwei miteinander verzahnten Vortr\u00e4gen lud k\u00fcrzlich die Deutsch-Amerikanische Gesellschaft Siegerland-Wittgenstein e. V. (DAGSiWi) in den Eintrachtsaal der Siegerlandhalle. 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